Reisebericht (Kurzfassung)

 

 

 

Start unserer Reise: Darwin

 

Warum in die Ferne schweifen? –Na, weil's da so schön ist! 

Startpunkt unserer Velotour war Darwin, das Ziel war Melbourne. Dazwischen lagen über 5500 Kilometer Spass, Anstrengung und schier endlose Weiten. Trotz der über 20kg Gepäck gestaltete sich das Fahren erstaunlich angenehm. Jedenfalls zu Beginn. Doch dann machten wir schon sehr bald mit unserem treusten Begleiter, dem Gegenwind Bekanntschaft. Er begleitete uns auf unserer Tour noch beharrlicher als all die lästigen Mücken und Fliegen. Im Gegenwind stellte sich bald einmal die Stärke von Aldis Velo heraus: sein Quantum verfügt über einen Kofferraum welcher als Heckverschalung fungiert und das Fahrrad so aerodynamischer macht. Da hatte ich mit meinem Fateba schon ein bisschen das Nachsehen. Die Stärke meines Velos zeigte sich erst später: Absolute Zuverlässigkeit.

 

 

 

 

Von Fledermäusen und Schluchten: Katherine

 

Nach etwas über 300km erreichten wir Katherine, mit etwa 11'500 Einwohnern die grösste Ortschaft seit Darwin. In der Dämmerung sahen wir einen Schwarm Vögel über die Stadt ziehen. Bei genauerem Betrachten merkten wir, dass es nicht Vögel sondern Flughunde waren. Tausende,  wenn nicht Zehntausende dieser Tiere flogen während Minuten über unsere Köpfe hinweg. Wow! 

In Katherine wollten wir einen Ruhetag einlegen, welchen ich nutzte, um die gut 30km entfernten Katherine Gorges zu besichtigen. Der Abstecher lohnte sich auf jeden Fall.

 

 

 

 

Die Wüste kommt

 

Mit der Zeit wurden die eindrücklichen Termitenhügel immer kleiner und seltener. Auch die Bäume der Savanne waren weniger hochstämmig. Als wir einen Typen in Renner Springs fragten, wann endlich die Wüste kommt, sagte er "Ihr seid drin! Hier beginnt die Wüste". In der Tat markiert dieser kleine Ort (nach reiflicher Überlegung erklärte unser Gesprächspartner, der Ort habe elf Einwohner) den mehr oder weniger offiziellen Beginn der (Halb-)Wüste. In der Folge wurde die Vegetation noch niedriger, Büsche und Gräser gaben bald den Ton an und wir sahen auch weiter, da ja keine Bäume mehr die Sicht hemmten. Da wir wild campierten, mussten wir uns jeden Abend von Neuem einen dornenfreien Platz herrichten. Leichter gesagt, als getan, wenn der ganze Boden von Dorngebüsch bedeckt ist!

 

 

 

 

Die "Teufelsmurmeln"

 

Etwa 100km südlich von Tennant Creek befinden sich die Devils Marbles. Viel kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen; die Devils Marbles liegen einfach seit Jahrtausenden da. Besonders gefallen hat uns nebst den kuriosen Formen, die zu finden sind auch die Tatsache, dass man die Klunker frei erkunden und begehen kann. Sie sind touristisch noch nicht ausgeschlachtet, obwohl sie nur gerade einen halben Kilometer oder so vom Stuart HWY entfernt sind. Wir nahmen uns recht viel Zeit und liessen die Riesenklunker einfach auf uns wirken.

 

 

 

 

Alice Springs – im Herzen des Kontinents

 

Fast könnte man meinen, der Wind wollte um jeden Preis verhindern, dass wir nach Alice Springs kamen. Er war nun so stark, dass er auch Aldi an Kraft und Nerven zehrte. Geschafft haben wir es trotzdem. In der Stadt verbrachten wir zwei wohlverdiente Ruhetage, welche jeder individuell nutzte. Ich kaufte ein paar "zivilisationstaugliche" Hosen. Natürlich war auch duschen angesagt. Geduscht, Kleider gewechselt und gewaschen wurde in der Regel dann, wenn wir einen Ruhetag in einer Stadt einlegten und auf einem Campingplatz übernachteten (kam so alle 5-6 Tage vor). 

Ein besonderes Erlebnis war das Abendessen, das wir im "Casa Nostra", einem tollen italienischen Restaurant assen, bevor wir die Stadt im Dunkeln verliessen. Da mein Halogenglühbirnchen seit schätzungsweise 600-700km (also bereits vor Tennant Creek) kaputt war, sah ich nicht allzu viel und hatte fast einen Zusammenstoss mit einem Fussgänger, welcher der dunklen Strasse folgte. Dabei kann mir niemand vorwerfen, ich hätte nicht alles unternommen, um an eine Ersatzbirne zu gelangen. In Tennant Creek fragte ich in den anderthalb "Veloläden" nach, nicht einmal die beiden Geschäfte in Alice Springs konnten in dieser Hinsicht was bieten. Erst in Port Augusta, am andern Ende des Kontinents war Ersatz zu beschaffen! Noch heute gehen bei mir die Emotionen hoch, wenn ich daran denke.

 

 

 

 

The Red Centre und unsere kulinarischen Höhenflüge

 

Zwei Tage später, bei Erldunda, bogen wir auf den Lasseter HWY ein, der uns zum Ayers Rock / Uluru führen sollte. Die Strasse behagte uns nicht so wie der Stuart HWY, da sie weniger breit ist. Als Entschädigung dafür hatten wir beim Hinfahren mehr oder weniger Rückenwind, bedingt durch die Richtung des Highways. Sympathischer als die Strasse sind jedoch die beiden Roadhouses Mount Ebenezer und Curtin Springs. Dasjenige von Mount Ebenezer gehört einer Gemeinschaft von Yolngu (Aborigines) und lädt mit einer Galerie mit Kunstwerken zum verweilen ein. Curtin Springs ist einfach stimmungsvoll und verfügt über einen schön spartanischen Campingplatz: Unpowered Sites, d.h. Plätze ohne Strom und Gas sind gratis, der Boden ist dafür mit dem Wüstenboden ungefähr ebenbürtig, aber wir waren’s uns mittlerweile ja gewohnt. 

Tags darauf erreichten wir Yulara, das Dorf in der Nähe des Uluru. Zwar war dieser Zeltplatz grasgrün, doch leider wollte das teuer bezahlt sein. Zu teuer. Wir zogen den Wüstenboden vor und liessen uns an der Grenze zum Nationalpark etwa 6-7km vor dem Städtchen nieder. Für drei Tage wurde dieses Plätzchen unser zu Hause, und ich fühlte mich dort sehr wohl. Ich möchte denn auch den kulinarischen Teil erwähnen, bevor ich über den Monolithen berichte. Wir hatten hier die Gelegenheit, Kartoffeln und Fleisch zu kaufen (der Supermarkt und die Post werten Yulara enorm auf, da es sich um nützliche Institutionen handelt). Bratkartoffeln mit Geschnetzeltem hätte es ursprünglich geben sollen. Doch weil die Kartoffeln trotz viel Butter nicht recht anbraten wollten und der viele Käse, den wir darüber gaben das Ganze ziemlich amorph gestaltete, warfen wir einfach alles zusammen – die Yulara-Pampe war geboren (© by Aldi & Wilu). Köstlich! 

Zu erwähnen ist schliesslich noch, dass das Red Centre wegen vorangegangenen ausgiebigen Niederschlägen sehr grün war, und dass die Temperaturen auch tagsüber nicht gerade so waren, dass man sich am liebsten die Kleider vom Leibe gerissen hätte – ich fand's schlicht saukalt.

 

 

 

 

Ayers Rock / Uluru und Olgas / Kata Tjuta

 

Nun zum "Pflichtteil" der Australienreise. Wir fuhren am ersten der drei Ruhetage im Rahmen einer Führung im Kleinbus zu den Olgas / Kata Tjuta und Ayers Rock / Uluru. Zuerst besuchten wir Kata Tjuta. Aldi und ich sahen uns das Ganze in Ruhe an, da kam uns auch schon der Reiseleiter suchen, da wir sonst nicht pünktlich bei Sonnenuntergang beim Uluru seien. Es reichte dann doch noch. Hunderte von Leuten schauten sich von der Sunset Area das Farbspiel der Natur an. Doch sobald das glühende rot am erlöschen war und sich das Farbspiel im Himmel fortsetzte waren die meisten Autos schon weg, und auch unsere Reisegruppe fand sich schon startklar im Kleinbus. Es lebe der Massentourismus!

Als wir uns Uluru tags darauf mit den Fahrrädern nochmal anschauen wollten, riss Aldis Wechsler aus dem Gewinde aus. Per Autostop kehrte er zum Zelt zurück, nachdem wir das monumentale Gestein gemeinsam etwas angesehen hatten. Als ich spätnachmittags beim Zelt ankam, hatte Aldi den Wechsler behelfsmässig geflickt, doch es war klar, dass dies nicht die Lösung sein konnte. Es war nötig, dass er das Teil am folgenden Tag in einer Autowerkstatt im echten, "unsauberen" und sympathischen Teil von Yulara ein bisschen definitiver reparieren liess. Der Mechaniker hatte keine Drehbank zur Verfügung und führte so mit Seitenschneider, Säge und Improvisation eine authentische Busch-Reparatur durch. Schliesslich konnte Aldi zwar den grössten und den kleinsten Kranz der Cassette nicht benutzen, doch das Velo fuhr wieder und wir konnten unsere Reise fortsetzen.

 

 

 

 

Kings Canyon / Watarrka

 

Wir hatten unterwegs beschlossen, den Kings Canyon / Watarrka zu besuchen, da er uns auf den Postkarten sehr gut gefiel. Wir bogen also auf die Luritja Road ein. Als ich glaubte, eine geeignete Stelle für unsere Mittagspause gefunden zu haben, schaute ich mir das Plätzchen mal genauer an und handelte mir doch glatt einen Plattfuss ein. Als Aldi aufkreuzte sagte ich ihm, dass wir gezwungenermassen an dieser Stelle zu Mittag essen müssten, da ich einen Platten hätte. Er nahm das zur Kenntnis und überbot mein Missgeschick, indem er erklärte, dass sein Rahmen angerissen sei! In der Tat waren auf beiden Seiten der gefederten Hinterbaustrebe auf gleicher Höhe zwei Risse zu sehen.  Aldi konnte sein Fahrrad über Nacht bei einem nahen Gehöft abstellen. Am nächsten Morgen fuhr er mit Jack, der ihm schon am Vortag geholfen hatte in Richtung Alice Springs, um die defekte Schwinge reparieren zu lassen. Ich fuhr alleine weiter und erreichte mit Rückenwind (!) die Frontier Lodge. 

Am nächsten Tag besuchte ich den Kings Canyon. Er war einfach atemberaubend. Die Nord- und die Südwand waren sehr verschieden. Gemeinsam war ihnen aber, dass sie beide senkrecht bis überhängend in die Tiefe fielen. So verbrachte ich fast den ganzen Tag in der Nähe des Abgrundes. Schade, konnte Aldi das nicht auch sehen. Ich konnte mit ihm per Combox kommunizieren und erfuhr so, dass er in Alice Springs war, das Liegerad bereits geflickt, und dass er am nächsten Tag hier sein sollte. Tatsächlich traf er am nächsten Tag ein und wir besichtigten den Canyon noch einmal zusammen. 

 

 

 

 

Back on the Track

 

Zurück auf dem Stuart HWY setzten wir unsere Reise nach Süden fort und erreichten nach einem Tag die Grenze zwischen dem Northern Territory und South Australia. Die Strasse wurde merklich breiter, die Strassenpfosten waren anders und der Strassengraben bestand nun aus lockerem Material. Ausserdem wurde es endlich wieder etwas wärmer. 

 

 

 

 

Die "U-Stadt" Coober Pedy

 

Dann also näherten wir uns Coober Pedy. Etwa die Hälfte der Bewohner dieser Opalsucher-Stadt leben in unterirdischen Wohnungen um der brütenden Hitze der Sommersonne und den frostigen Nächten des Wüstenwinters zu entgehen. Wir schlugen unser Lager jedoch in gewohnter Manier oberirdisch auf. Die Stadt hat Charakter, sie ist gewachsen, nicht geplant wie etwa Yulara. Die Trottoirs (Gehsteige) sind aus losem Material, überall hat’s Staub. Zum ersten mal fiel uns das im Supermarkt so richtig auf und es lag nur zum Teil daran, dass die Waren seit Jahren im Gestell auf einen Käufer warteten (wir kauften Halbpreis-Milkaschokolade, die bereits ein Jahr Überdatum hatte, was wir freilich zu spät merkten). Ausserdem wirbelte der heftige Wind ständig Staub vom kahlen Boden auf. 

 

 

 

 

Woomera und Lake Hart

 

Jetzt lag das längste Stück ohne Verpflegungsmöglichkeit vor uns: 252km sind es von Coober Pedy bis nach Glendambo (30 Einwohner, siehe Photo). Ca.230km führen durch die Woomera Prohibited Area. Hier im menschenleeren Gebiet sah die Landschaft etwa so wüstenmässig aus, wie ich mir das gewünscht habe. Weit und breit einfach Nichts, Nichts, Nichts.

Ein weiterer Höhepunkt war der Salzsee Lake Hart. Wir kamen in der Dunkelheit an und erkannten am Morgen den Salzsee. Natürlich mussten wir uns das aus der Nähe ansehen. Wir verbrachten etwa eine Stunde am und auf dem See, der übrigens grossenteils mit Wasser gefüllt war. Dort konnten wir auch vier Emus beobachten, die einen Morgenspaziergang unternahmen. 

 

 

 

 

Schaffen wir’s bis PA?

 

Wir waren noch drei Tagesreisen von Port Augusta entfernt, als Aldi einen Defekt an seinem Vorderrad feststellte. Es stellte sich heraus, dass seine Felge futsch war. Er konnte zwar noch fahren, musste jedoch Luft aus dem Reifen lassen, um nicht einen Felgenplatzer zu riskieren – das kostete natürlich viel Kraft beim Fahren. Nichts desto Trotz: wir schafften es wohlbehalten bis nach Port Augusta und hatten somit den Kontinenten durchquert. Glücklicherweise fand Aldi in Port Augusta eine Ersatzfelge (was nicht leicht war) und die erwähnte Ersatzbirne für meinen Scheinwerfer. 

 

 

 

 

Port Augusta bis Adelaide: Kulturschock

 

Mit der Ankunft in Port Augusta waren wir aber wieder in den "Fängen" der Zivilisation und quälten uns nun auf dicht befahrenen Strassen bis Adelaide. Es war nicht wirklich schön und die rücksichtslose Fahrweise der motorisierten Verkehrsteilnehmer löste in mir manchen Wutanfall aus. Der Regen, der Wind und die Kälte taten ein übriges. So fuhren wir bei täglichem Regen bis Adelaide. Nach einer kleinen Irrfahrt fanden wir weit abseits des Zentrums einen Campingplatz. Hier war aber nicht mehr die lockere Haltung des Nordens anzutreffen, vielmehr waren schweizerische Genauigkeit und Pünktlichkeit angesagt. Wir nahmen's nur ungern zur Kenntnis. Das Radfahren in einer so grossen Stadt ist nicht wirklich ungefährlich aber man kommt recht gut voran. Mich zog es zum Strand von Glenelg, die Felgen meines Velos werden mir diesen Abstecher wohl nicht so schnell vergessen... 

 

 

 

 

Wir haben’s geschafft: Melbourne!

 

Trotz einiger Widrigkeiten erreichten wir schliesslich gesund und wohlbehalten Melbourne, wo wir bei einer Internet-Bekanntschaft von Aldi wohnen konnten. Die Stadt gefiel mir sehr gut, das lag zum Teil vielleicht auch daran, dass wir trotz leichter Zeitnot am Ziel unserer Reise waren und das Erlebte langsam fassen konnten. Zusammen besichtigten wir unter anderem den Rialto Tower, welcher das höchste Gebäude auf der südlichen Hemisphäre sein soll. Dort schrieben wir Karten und genossen einfach die gemeinsam erlebten Abenteuer. Und das waren nicht wenige!

 

 

 

 

 

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